Überwältigungs-Pop gegen Präsidenten-Pomp


Schmelzende Eisberge und verdorrte Landschaften. Kinderhände, die sich an Gitter krallen, und Demonstrantinnen, die aufgewühlt den Blick gen Himmel richten. Dazu ein Barack Obama, dem die Tränen kommen, und ein Abraham Lincoln, der auf den Kopf gestellt wird. Schmerz, Wut, Demokratiedämmerung: Das Video, das Barbra Streisand am Mittwoch auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht hat, ist politischer Aktionismus mit den Mitteln des Überwältigungs-Pop.

Schon im September veröffentlichte die 76-jährige Diva, die stets als eine der voluminösesten und liberalsten Stimmen der US-Unterhaltungsindustrie galt, ihre Power-Ballade „Don’t Lie To Me“ als Vorabsingle für ein später im Jahr erscheinendes neues Album. Losgelöst von den Bildern konnte man den Song bislang gut als erzürnte Ansprache an einen ruchlosen, gefühlskalten Geliebten halten. Streisand singt: „Why can’t you feel the tears I cry“.

In dem Video aber werden die unterschwelligen Anspielungen an den verachteten Präsidenten Donald Trump – „towers of bronze and gold“ heißt es im Song in Bezug auf seinen ausgestellten Reichtum – plakativ ausgespielt. Wir sehen ihn zum Beispiel zwischen all den Elendsimpressionen selbstgefällig auf dem Golfplatz stehen, immer wieder taucht sein Konterfei in dem rhythmisch montierten Apokalypsen-Clip auf.

Scherenschnittbastelei und Breitwandepos

In der Machart erinnert das Video – „written and directed by Barbara Streisand“ – an eine Mischung aus Scherenschnittbastelei und Breitwandepos. Historische Illustrationen aus Schulbüchern und aktuelle Horrormeldungen aus Zeitungen wechseln mit hochauflösenden Aufnahmen von eingesperrten

Article source: http://www.spiegel.de/kultur/musik/barbra-streisand-power-ballade-don-t-lie-to-me-gegen-trump-a-1232892.html