Trump interveniert im Fall Khashoggi

US-Präsident Trump hat sich in den Fall des in der Türkei verschwundenen saudi-arabischen Journalisten Khashoggi eingeschaltet. Er habe auf höchster Ebene mit Vertretern Saudi-Arabiens gesprochen, sagte er.

US-Präsident Donald Trump hat seinen Ton gegenüber Saudi-Arabien wegen des Verschwindens des Journalisten Jamal Khashoggi verschärft. Trump forderte Antworten von der Regierung in Riad. Er wolle Khashoggis Verlobte Hatice Cengiz ins Weiße Haus einladen. Niemand wisse genau, was mit dem Vermissten passiert sei, sagte Trump.

Er hoffe, dass Khashoggi nicht tot sei. Er habe mit Saudi-Arabien über die „schlechte Situation“ gesprochen, sagte Trump, ohne konkreter zu werden. Die USA wollten der Sache auf den Grund gehen. Sein Land arbeite eng mit den türkischen Behörden zusammen.

Gespräch mit Kronprinz Mohammed

Das Weiße Haus teilte mit, dass Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der Nationale Sicherheitsberater John Bolton mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman über Khashoggi gesprochen hätten. Anschließend sei Außenminister Mike Pompeo noch einmal mit ihm in Kontakt gewesen. Alle drei forderten demnach mehr Details von der saudischen Regierung und riefen sie dazu auf, sich bei den Ermittlungen transparent zu verhalten.


Demonstranten mit Bildern von Khashoggi | Bildquelle: AP

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Vor dem Gebäude der „Washington Post“ forderten unter anderem Journalisten und Schriftsteller Aufklärung.


Saudi-Arabien weist Vorwürfe zurück

Khashoggis Verbleib ist ungeklärt, seit er vergangene Woche das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betrat. Nach saudi-arabischer Darstellung verließ er das Konsulat wieder. Cengiz, die vor dem Gebäude auf ihn wartete, sagte, er sei nicht herausgekommen. In der Türkei ist der Verdacht geäußert worden, dass der saudi-arabische Autor und Regierungskritiker getötet worden sei, was Saudi-Arabien bestreitet.

Khashoggi lebte im Exil

Der Fall findet in den USA große Aufmerksamkeit, weil Khashoggi dort im Exil lebte und auch Artikel für die „Washington Post“ geschrieben hat. Die Zeitung berichtet, dass am Morgen des 2. Oktober ein 15-köpfiges Team aus der saudischen Hauptstadt Riad mit zwei Privatfliegern nach Istanbul gereist und anschließend zu dem Konsulat gefahren sein soll. Das Blatt beruft sich auf zwei mit den Ermittlungen vertraute Informanten.


Jamal Kashoggi (Archiv Foto von 2011) | Bildquelle: AFP

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Jamal Khashoggi: Wurde der Journalist getötet?


Am Ende des Tages sei die Männergruppe dann mit verschiedenen Maschinen abgereist, die auf Umwegen nach Riad zurückgeflogen seien. Das sollen auch Flugaufzeichnungen bestätigen.

Was zwischen An- und Abreise der Saudis geschah, ist nicht klar. Allerdings liegen der „Washington Post“ nach eigenen Angaben Aufnahmen einer Polizei-Überwachungskamera vor. Dort ist ein Van mit getönten Scheiben zu sehen.


Van mit getönten Scheiben

Laut Vertretern der türkischen Sicherheitsbehörden wurden einige der Männer vom Konsulat zur knapp 500 Meter entfernten Residenz des saudischen Konsuls gebracht – und das etwa zwei Stunden, nachdem Khashoggi die Landesvertretung betreten hatte, berichtet die „Washington Post“. Laut der Zeitung gehen die türkischen Ermittler davon aus, dass die Gesandten Riads in dem Konsulat warteten.

War alles lange geplant?

Die „Washington Post“ berichtete, US-Geheimdienstler hätten ein Gespräch von saudischen Vertretern abgefangen, in dem diese über einen Plan gesprochen hätten, Khashoggi nach Saudi-Arabien zu locken und ihn dort festzunehmen. Die Zeitung berief sich in dem Bericht auf Personen, die mit den Geheimdienstinformationen vertraut seien. Diese Informationen seien ein weiteres Indiz, das nahelege, dass das saudische Regime in das Verschwinden des Journalisten verwickelt sei, schrieb die Zeitung.

Die „Washington Post“ schrieb zudem unter Berufung auf Freunde Khashoggis, ranghohe saudi-arabische Vertreter hätten dem Journalisten Schutz oder sogar einen wichtigen Regierungsposten angeboten, sollte er in seine Heimat zurückkehren. Khashoggi sei aber misstrauisch gewesen.

Der stellvertretende Sprecher des US-Außenministers, Robert Palladino, erklärte, er könne definitiv ausschließen, dass die US-Regierung im Vorfeld von Khashoggis bevorstehendem Verschwinden gewusst habe. Auf die anschließende Frage eines Journalisten, ob die Regierung etwas davon gewusst habe, dass eine Bedrohung für Khashoggi bestehe, sollte er in das Konsulat gehen, erklärte Palladino: „Wir hatten keine Kenntnisse im Vorfeld.“

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Oktober 2018 um 18:23 Uhr.