Schützt Trump nun doch die Einwandererkinder? – FAZ

Die Nachricht kam am späten Abend, und sie klang so überraschend, dass sie schnell die Runde machte: Sie hätten sich mit Präsident Donald Trump darauf geeinigt, schnell ein Gesetz zum Schutz junger Immigranten vor Abschiebung zu erlassen, erklärten die demokratischen Fraktionschefs in Abgeordnetenhaus und Senat, Nancy Pelosi und Chuck Schumer, nach einem „sehr produktiven“ Treffen mit dem Präsidenten vor dem Kapitol in Washington.

Schon dass ein Gespräch mit diesem Präsidenten produktiv sein kann, wäre an anderen Tagen eine Nachricht wert gewesen – dass Trump jetzt aber offenbar bereit ist, das Daca-Dekret seines Vorgängers Barack Obama doch nicht aufzukündigen, das er in der vergangenen Woche außer Kraft gesetzt hatte, ist für viele in Washington fast eine Sensation. Und mancher fragt sich: Zeigt sich schon jetzt, dass Trump ohne seinen nationalistischen früheren Chefberater Steve Bannon tatsächlich zu einer konstruktiveren Politik bereit ist?

Das Daca-Programm sah vor, dass Einwanderer, die mit weniger als 16 Jahren ohne gültige Papiere in die Vereinigten Staaten gelangt sind, unter bestimmten Bedingungen eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erhalten konnten. Damit sollten sie vor Abschiebung geschützt werden. Die Begünstigten erhielten nur eine befristetete Aufenthaltsgenehmigung, kein Einbürgerungsrecht. Von der Aufkündigung des Daca-Programms durch Trump sind rund 800.000 junge Menschen betroffen, die als Kinder illegaler Einwanderer ins Land kamen.

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