Fall Rebecca (15): Haftbefehl gegen Rebeccas Schwager aufgehoben

Seit mehr als vier Wochen wird Rebecca (15) aus Berlin vermisst. Am 4. März wurde ihr Schwager Florian R. (27) festgenommen, kam als Verdächtiger in Untersuchungshaft.

Berlin – Knapp drei Wochen später wird jetzt der Haftbefehl gegen ihn aufgehoben! Das teilte die Berliner Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Grund sei, dass der Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Tiergarten „aufgrund des gegenwärtigen Ermittlungsstands Zweifel am dringenden Tatverdacht“ gegen den 27-Jährigen habe, teilte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft am Freitag mit. Zuvor hatte die Anwältin des 27-Jährigen Haftbeschwerde eingelegt.

Die Anklagebehörde hält die Entscheidung „im Hinblick auf die gegenwärtig bestehende Beweislage“ für vertretbar und will daher „zum jetzigen Zeitpunkt keine Beschwerde“ dagegen einlegen.

Die Staatsanwaltschaft habe nichts in der Hand, um den Tatverdacht zu erhärten. „Wir hoffen, dass wir die Tat zeitnah aufklären können“, sagte Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft am Freitag.

Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft gehen die Ermittlungen und die Suche nach Rebecca „mit unveränderter Intensität“ weiter. Neue Erkenntnisse gebe es derzeit nicht. Bis heute sind rund 1900 Hinweise bei der Polizei eingegangen.


Rebecca (15) wird seit über vier Wochen vermisst

Rebecca (15) wird seit über vier Wochen vermisstFoto: POLICE BERLIN HANDOUT/EPA-EFE/RE

Bezüglich Florian R. sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf BILD-Anfrage: „So lange die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind, gilt er weiter als Beschuldigter. Daran hat sich nichts geändert.“

Auflagen gegen Florian R. – dass er Berlin nicht verlassen darf oder sich täglich melden muss – wurden nicht verhängt. Das ist nur möglich, wenn ein Haftbefehl bestehen bleibt, es aber eine sogenannte Haftverschonung gibt.

Bei einem Pressestatement am Mittag sagte Steltner: „Die Beweislage ist unverändert schwierig.“ Man ermittele in alle Richtungen. Es gebe keine Erklärung, wo sich Rebecca aufhalten könnte. Steltner sagte: „Wir werden alles tun, um ihr Schicksal aufzuklären.“

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Das sagt Rebeccas Mutter

Rebeccas Mutter zeigte sich in einem Interview mit dem Fernsehsender NTV „überrascht“ von der Freilassung des Schwagers. Die Familie wolle dies „erstmal sortieren“ und „darüber reden“, sagte sie am Freitag.

Weiter sagte sie: „Ich denke mal, er wird sich jetzt erstmal ausruhen wollen.“ Auf die Frage, wer sich am meisten über Florian R.s Rückkehr freuen werde, sagte sie: „Na meine Enkelin und meine Tochter.“ Jessica (27) und Florian R. haben eine gemeinsame Tochter.

Neuer Haftbefehl möglich

Dass Florian R. wieder auf freiem Fuß kommt, bedeutet nicht das Ende der Ermittlungen. Ihm könnte ein neuer Haftbefehl verkündet werden.

So wurde er bereits schon zweimal von der Polizei festgenommen. Im ersten Fall am 28. Februar gab es keinen Haftbefehl. Erst im zweiten Anlauf ordnete ein Richter Anfang März Untersuchungshaft an.


Florian R. war am 4. März festgenommen worden

Florian R. war am 4. März festgenommen worden Foto: Polizei Berlin

► Einen neuen Haftbefehl könnte es geben, wenn die Staatsanwaltschaft erneut Beschwerde einlegen würde – wie es bereits der Fall war, nachdem der Schwager nach einer Festnahme am 1. März zum ersten Mal auf freien Fuß gekommen war. Ein Haftrichter könnte die Beweislage wieder so bewerten, dass Florian R. ein neuer Haftbefehl verkündet wird.

► Zum anderen könnte Florian R. erneut in Untersuchungshaft kommen, wenn es neue Ermittlungsergebnisse gegen ihn gäbe.


Florian R. wurde am 4. März festgenommen, kam in die JVA Moabit in Berlin

Florian R. wurde am 4. März festgenommen, kam in die JVA Moabit in BerlinFoto: Jens Kalaene / dpa

Darum geriet der Schwager in den Fokus der Ermittler

Rebecca ist seit dem 18. Februar verschwunden. Sie hatte sich in dieser Nacht bei ihrer Schwester und ihrem Schwager im Berliner Stadtteil Britz aufgehalten, dort verlor sich ihre Spur. Am nächsten Morgen kam sie nicht zur Schule.

Die Kriminalpolizei nimmt an, dass Rebecca getötet wurde. Das sagte Hauptkommissar Michael Hoffmann, Chef der 3. Berliner Mordkommission, in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“.

Gründe für den Totschlagsverdacht: Die Polizei stellte fest, dass es „zwei seltsame und klärungsbedürftige Fahrten mit dem Auto des Schwagers gab“, wie Hoffmann sagte.

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Direkt nach dem Verschwinden von Rebecca und am Abend des nächsten Tages wurde der rote Kleinwagen auf der Autobahn zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) von einem Brandenburger Kennzeichenerfassungssystem gespeichert. „Zu beiden Fahrten kann er keine Angaben machen“, sagte Hoffmann. Zudem soll die Polizei Haare von Rebecca und Fasern der vermissten Fleecedecke im Kofferraum des Autos gefunden haben.

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Seit dem 18. Februar vermisst

Der Fall Rebecca: Eine Chronik


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Und: Der Schwager machte widersprüchliche Angaben zu seiner Handynutzung am Morgen von Rebeccas Verschwinden. Florian R. behauptete, am Morgen zwischen 5.45 und 8.25 Uhr geschlafen zu haben. Zuvor war er seinen eigenen Angaben zufolge nach einer Firmenfeier um 5.45 Uhr nach Hause gekommen. Die Polizei kann Florian R. aber offenbar nachweisen, dass er in diesem Zeitraum WhatsApp-Nachrichten schrieb. Wem er Nachrichten schrieb, ist nicht bekannt.

Geht die Suche nach Rebecca weiter?

Die Mordkommission wollte am Freitag entscheiden, wo die Suche nach der Berlinerin weitergeht. „Etwas Genaues können wir dazu noch nicht sagen“, erklärte ein Polizeisprecher am Morgen.


Ein Spürhund bei der Suche nach Rebecca am 21. März

Ein Spürhund bei der Suche nach Rebecca am 21. MärzFoto: Patrick Pleul / dpa

Die Beamten hatten am Donnerstag an der Autobahn 12 zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) und an Landstraßen nach Spuren gesucht. Am Scharmützelsee in Brandenburg durchkämmten Polizisten mit Spürhunden das Gelände – ohne Erfolg. Gegen 18.40 Uhr wurde der Einsatz beendet.


Der Fall „Rebecca“ - Chronologie der Ereignisse - infoBILD