Bekenntnisse einer Verliererin – F.A.Z.

„Ich hätte eine verdammt gute Präsidentin abgeben.“ Es sind Sätze wie dieser, mit denen Hillary Clinton in ihrem Buch das Versprechen neuer Ungeschütztheit erfüllt. In der auf fast 500 Seiten mit reichlich privaten und anderen Nichtigkeiten aufgemischten Wahlanalyse bekennt die gescheiterte Präsidentschaftskandidatin zunächst das Bekannte: „Oft hatte ich das Gefühl, in der Öffentlichkeit vorsichtig sein zu müssen, als liefe ich ohne Netz über ein Drahtseil.“ Endlich lege sie diese Vorsicht ab, gelobt Clinton.

Zu erhellenden Selbstauskünften über Unzulänglichkeiten und taktische Fehler führt das kaum. Vor allem erklärt sich die Demokratin selbst zum Opfer. „Ich trat ja nicht nur gegen Donald Trump an. Ich bekam es mit dem russischen Geheimdienstapparat, einem fehlgeleiteten FBI-Direktor und dann auch noch mit dem gottverlassenen ,Electoral College‘ zu tun.“ Jenseits der russischen Einflusskampagne, James Comey und eines Wahlrechts, das eine satte Stimmenmehrheit in eine klare Niederlage im Wahlmänner-Gremium übersetzte, beschwert sich Clinton über ihren Vorwahlrivalen Bernie Sanders, die Medien, eine sexistische Gesellschaft – und über die 62985106 Amerikaner, die für Donald Trump stimmten. Zwar bedauert Clinton, dass sie dem Republikaner eine Vorlage gab, indem sie die Hälfte seiner Anhänger als „beklagenswert“ abtat. Doch sie hält fest: „Zu viele von Trumps Unterstützern vertreten Ansichten, die ich – es gibt kein besseres Wort – beklagenswert finde.“ Umgekehrt adelt Clinton ihre eigenen 65.844.610 Wähler zum „Beweis dafür, dass die Hässlichkeit

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